Notfall
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Psychiatrisches Zentrum AR
Symposium 2014
Thema «Sucht und Alter»
Programm 18. September 2014, 13.30–18.00 Uhr

13.30 Uhr: Begrüssung

  • Landammann Dr. phil. Matthias Weishaupt, Regierungsrat, Vorsteher Departement Gesundheit Appenzell Ausserrhoden
  • Axel Weiss MaHM, Chefarzt Psychiatrisches Zentrum Appenzell Ausserrhoden

 

13.45 Uhr: Referat «Massnahmen zur Reduktion problematischen Alkoholkonsums bei älteren Menschen»

Dr. phil. hist. Corina Salis Gross, Sozialanthropologin, Forschungsleiterin am Schweiz. Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung Zürich und am Institut für Sozialanthropologie der Universität Bern

 

14.45 Uhr: Referat «Opioidsubstitution bei älteren Patienten»

Dr. phil. Kenneth M. Dürsteler, Leitender Psychologe
Ambulanter Dienst Sucht / Janus, Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel

 

15.45 Uhr Pause (Apéro riche)

 

16.45 Uhr: Referat «Sucht im Alter – Anforderungen und Handlungsmöglichkeiten für Pflegende»

Andreas Kutschke BScN, Krankenpfleger für geriatrische Rehabilitation, Autor, Qualitätsmanagement Städtische Seniorenheime Krefeld, Pflegeberater

 

18.00 Uhr: Ende

 

Anrechenbare Credits

SGPP: 3 Credits
SGIM und SGAM: 3 Credits als erweiterte Fortbildung

Referat / Details / Download Dr. phil. hist. Corina Salis Gross

Dr. phil. hist. Corina Salis Gross, Sozialanthropologin, Forschungsleiterin am Schweiz. Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung Zürich und am Institut für Sozialanthropologie der Universität Bern

Massnahmen zur Reduktion problematischen Alkoholkonsums bei älteren Menschen
Problematischer Alkoholkonsum ist auch im Alter verbreitet. Individuell wie gesellschaftlich gesehen entstehen daraus erhebliche gesundheitliche und ökonomische Schäden. Das BAG schenkte dem Thema im Rahmen des Nationalen Programms Alkohol 2008–2012 deshalb Beachtung und formulierte als eines der Wirkungsziele die Verminderung des chronischen Alkoholkonsums im Alter. In diesem Kontext wurde eine Studie finanziert, die ExpertInnenwissen und Erfahrungen von Fachpersonen und Angehörigen erfassen sollte. Mittels einer Literaturrecherche und Interviews mit FachexpertInnen und Angehörigen sowie mittels Fokusgruppen wurden dabei «Good Pratices» und geeignete Massnahmen zur Reduktion problematischen Alkoholkonsums im Alter identifiziert sowie Empfehlungen formuliert. Es zeigte sich, dass in der Schweiz die Sensibilisierung zum problematischen Alkoholkonsum im Alter aus der Perspektive von Fachpersonen und Angehörigen noch deutlich voranzutreiben ist. Wichtige Elemente einer Good Practice sind zwar bereits vorhanden, es fehlt jedoch noch an der Integration dieser Elemente und an der regionalen Koordination von Sucht- und Altershilfe. Im Referat werden die wichtigsten Ergebnisse der Studie zur Problemlast und zu den wichtigsten Good Practices in der Prävention und in der Früherkennung sowie in der Beratung und Behandlung vorgestellt. Es werden weiter Empfehlungen für die Gesundheitsbehörden, für die Gesundheitseinrichtungen und für die spezialisierten Einrichtungen benannt sowie Schlussfolgerungen für erfolgreiche Massnahmen in den Bereichen «Schwer erreichbare Zielgruppen, Koordination und Kooperation der Akteure», «Partizipative Ansätze» und «Organisationsentwicklung» gezogen.

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Referat / Details / Download Dr. phil. Kenneth M. Dürsteler

Dr. phil. Kenneth M. Dürsteler, Leitender Psychologe
Ambulanter Dienst Sucht / Janus, Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel

Ältere Patienten in Opioidsubstitution
Zur Behandlung der Opiatabhängigkeit gelten Substitutionsbehandlungen mit Opioiden heute als Therapie der ersten Wahl. Aufgrund der Wirksamkeit dieser Behandlungen zeichnet sich bereits heute eine deutliche Zunahme älterer Patienten ab. Dieser Trend dürfte sich noch zuspitzen. Viele Substitutionspatienten scheinen infolge ihres langjährigen Drogenkonsums und der damit assoziierten Risiken „vorgealtert“ und häufig leiden sie bereits frühzeitig an Mobilitätseinschränkungen und altersbedingten chronischen Erkrankungen, die eine langfristige und regelmässige medizinische Behandlung erfordern. Dazu gesellen sich bei vielen von ihnen psychische Störungen, die das Problem der Polypharmazie verschärfen. Neurokognitive Funktionseinbussen, die erhebliche Auswirkungen auf die Compliance und die Behandlungsplanung haben können, treten in dieser Population auch häufig früh auf. Alterungsbedingte physiologische Veränderungen beeinflussen zudem die Wirkung von Medikamenten, was pharmakotherapeutisch zu beachten ist. Bislang mangelt es an Studien zum Gesundheitszustand und zur bedürfnisgerechten Behandlung älterer Substitutionspatienten, und vielerorts bestehen noch Mängel und Widerstände im Versorgungssystem. Dennoch sind ältere Substitutionspatienten wie alle anderen Personen ihrem Alter und ihren gesundheitlichen Problemen entsprechend zu behandeln, und das Substitut sollte vorbehaltlos als Medikament für ihr Wohlbefinden betrachtet werden. Bei der Substitution älterer Patienten ergeben sich viele neue Herausforderungen, die in der Behandlung und Versorgung zukünftig zu berücksichtigen sind.

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Referat / Details / Download Andreas Kutschke BScN

Andreas Kutschke BScN, Krankenpfleger für geriatrische Rehabilitation, Autor, Qualitätsmanagement Städtische Seniorenheime Krefeld, Pflegeberater

Sucht im Alter
Die Pflege alter abhängiger Menschen ist aktuell, da die Zahl der Betroffenen mit dem demografischen Wandel deutlich zunimmt und die Betroffenen immer häufiger durch ambulante und stationäre Altenpflegedienste betreut werden. So hat ca. jeder zehnte Bewohner in einem Altenheim eine Alkoholdiagnose. Die Pflege suchtkranker älterer Menschen steht außerhalb von speziellen Einrichtungen nicht im Fokus fachlicher Altenpflege, auch wenn die Verhaltensweisen der Patienten/Bewohner durch vielfältige Probleme gekennzeichnet sind. In vielen Fällen werden Betroffene nicht erkannt und entsprechend werden keine oder nicht zielführende Maßnahmen ergriffen. In der Folge ist der Alltag in der Begegnung mit älteren Suchtkranken oft durch Überforderung, fehlendes Wissen und Mangel an praxistauglichen Konzepten geprägt. In der pflegerischen Literatur finden sich nur wenige Hinweise auf die Pflege und Betreuung von älteren Suchtkranken; oft werden Techniken und Überlegungen aus der psychiatrischen Suchtpflege übertragen die aber oft nicht für mehrfach erkrankte alte Menschen passen. Vor allem, weil die Betroffenen ihr Leben selbst gestalten wollen und Pflegende als Dienstleister angefordert werden und nicht zur Therapie. Pflege- und Begleitungsthemen mit denen die Pflegenden sich in Zukunft auseinandersetzen müssen sind:

a) Abhängigkeit und Missbrauch erkennen
b) Zugang und Vertrauen der Betroffenen gewinnen
c) Zugang zur Pflegeversicherung herstellen
d) Ethische Fragestellungen sachlich bearbeiten
e) Kommunikation, die eine Änderung oder Stabilisierung unterstützt
f) Umgang mit Folgeerkrankungen
g) Vernetzung von pflegerischen Strategien
h) Konzepte im Umgang mit Patienten und Bewohnern die alkoholabhängig sind.

Beispiele für Interventionen sind: eine veränderte Kommunikation mit den Betroffenen, wie die motivierende Gesprächsführung, oder die Nutzung von Strategien die sich Schritt für Schritt in der Geschwindigkeit den Möglichkeiten der Betroffenen anpassen können. Alltagsregeln: wie Geduld haben und nicht Moralisieren, Familien mit einbeziehen und die Lebensleistung des Betroffenen würdigen sind genauso wichtig wie Vereinbarungen treffen und klare Grenzen setzen. Ebenfalls können sogenannte Kurzinterventionen (FRAMES) im pflegerischen Alltag verwendet werden, so wie die Selbst- und Suchthilfe in den Betreuungsprozess einbezogen werden sollte.

Die Fähigkeit zu deeskalieren und mit alkoholisierten Bewohnern oder Patienten umzugehen, spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle. Dies gilt auch für den Umgang mit Betroffenen, die nach einer Zeit der Abstinenz oder Reduktion von Alkohol wieder rückfällig werden. Eine besondere Herausforderung ist die kontrollierte Abgabe von Alkohol an pflegebedürftige abhängige Bewohner oder Patienten, die in besonderem Maße konzeptionell abgesichert sein sollte.

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